Plakat BGraf

Ausstellung Bilder von Bettina Graf Fr. 15. Aug. 2003 – So. 14. Sep. 2003

Idee:
In Massenproduktion angefertigte, kleinformatige Landschaften in Oel, billig zu erwerben, als Kitsch verpönt, umgesetzt in grosse, vielschichtige Arbeiten
Weshalb Bilder aus dem Supermarkt?
Ich sehe meine Arbeit als eine Reaktion auf die alltägliche Bilderflut, auf das breite Spektrum und Angebot visueller Produkte. Am Anfang hat das Sammeln von Gegenständen und Bildern eine wesentliche Rolle gespielt.
Ein Gemälde besitzt naturalistische oder abstrakte Qualitäten, nur die Wirklichkeit hat reale Qualitäten. Je naturalistischer ein Gemälde wirkt, desto präziser entsprechen die malerischen Qualitäten der realen Dingwelt.
Das in Asien hergestellte Landschaftsbild wird von mir nur deshalb naturalistisch wiedergegeben, weil ich es als realen Gegenstand erworben habe und es somit in die reale Dingwelt eingeteilt werden kann - die Wiedergabe ist ein Bild eines Gegenstandes. Sie hat sich von der reellen Natur gelöst, beinhaltet aber meine Erinnerungen aus der wirklichen Natur.
Warum nicht direkt von der Natur malen?
Kitschbilder sind Zitate einer Gesellschaft. Genau diese Bilder drücken die Sehnsucht einer Zeit aus. Menschen, die nicht mehr direkt von der Natur umgeben sind, sehnen sich nach ihr und holen sie sich in Form von idealisierten Bildern nach Hause. So wird das übersteigerte Gemälde zu einem Sehnsuchtsmotiv.
Die Bilder werden in Massenproduktion hergestellt und von verschiedenen Malern gleichzeitig angefertigt. Deshalb, und auf Grund der stereotypen Motive, wirken die Bilder an sich nicht wie Kunstwerke, sondern werden zu einem kommerziellen Produkt, das die Gefühle und Sehnsüchte der Gesellschaft reflektiert. Diese Sehnsüchte, also Erfahrungen aus zweiter Hand, werden von der Industrie genutzt.
Kitsch wird als unnatürlich und unecht betrachtet. Man kann nur etwas als unecht einstufen, wenn man glaubt, das Echte zu kennen. Doch in der heutigen Zeit entfernt sich der Mensch immer mehr von der Realität, und Dinge und Zustände werden als echt empfunden, welche noch kürzlich als unecht galten. Das heisst, dass sicht die Vorstellung dessen, was im Moment als echt bzw. als unecht gilt, sich immer ändert.
Ich übernehme die illusionäre Welt des Kitsches und der vorgetäuschten Gefühle in meinen Arbeiten und betrachte sie ohne Vorbehalt als echt, ohne zu werten und von Normen und intellektuellen Meinungen beeinflusst zu sein.
Indem ich die Bilder auf ein grosses Format bringe, möchte ich ein noch stärkeres Eintauchen des Betrachters in seine und meine Erinnerungen an die Natur ermöglichen.

Bild BGraf